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Zu Besuch bei Biobäuerinnen in Sri Lanka

Mit Herz und Verstand - Ein Besuch im Teeparadies auf Sri Lanka

07.08.2013 | Wolkenverhangener Himmel – mein Strohhut wirkt etwas unpassend – nur: es ist das Erkennungszeichen – schon hupt ein kleiner Kombi und ich sitze neben Bernard Ranaweera, dem Präsidenten von SOFA. An diesem später sonnigen Tag besuche ich das Büro von SOFA in Gampola, vier Gehöfte und nehme an zwei Dorfversammlungen teil. Welch ein Privileg!

SOFA (Small Organic Farmers‘ Association) ist ein Dachverband von 47 Kleinbauern- organisationen, die insgesamt 2500 Biobäuerinnen und Biobauern in Sri Lanka beherbergen. Ins Materialheft unserer Fastenaktion hatte ich einen Bericht über die Bäuerin Sumithra Ranasinghe aufgenommen – nun bin ich auf dem Weg zu ihr.

Sumithra Ranasinghe kommt kurz nach uns den steilen Feldweg zwischen den Teesträuchern hinunter zu ihrem Haus. Sie hat ihren Mann im Krankenhaus besucht, auch zwei ihrer Söhne waren heute dort zur Behandlung. Sumithras kleiner Dorfladen bleibt zurzeit geschlossen. Die Teeernte, ein reichhaltiger Gemüsegarten und die Kranken beanspruchen sie zusehr. Stolz präsentiert sie aber ihre Reismühle, die ihr ein Extraeinkommen verschafft. Und einen Brief an die SOFA-Versammlung im Gemeinschaftshaus hat sie schon verfasst, in dem sie um Unterstützung angesichts von Fahrt- und Behandlungskosten bittet. Bernard Ranaweera erklärt mir, dass die Fairtrade-Prämie den einzelnen SOFA-Mitglieds-gruppen ermöglicht, ihren Mitgliedern in Notfällen zu helfen.

Und nicht nur das: durch die Fairtrade-Prämie hat SOFA in den letzten Jahren nicht nur seine eigenen Genossenschaftsmitglieder unterstützen können, sondern entscheidend zur Dorfentwicklung beigetragen. An vielen Orten konnte mit den Fairtrade-Prämien Gemeinschaftshäuser gebaut werden. Sie bieten den SOFA-Mitgliedern einen Raum für Versammlungen, zur Zwischenlagerung von geernteten Teeblättern und werden als Kindergarten genutzt. Letzteres hat neben der Förderung der Kinder den Vorteil, dass beide Elternteile ihrer Arbeit nachgehen können. Selbstverständlich können auch nicht SOFA-Mitglieder ihre Kinder in die Vorschule schicken, die Lehrerin erhält von allen Eltern ihr Entgelt. Und die Häuser stehen zur Nutzung für die gesamte Dorfbevölkerung zur Verfügung – vorausgesetzt, es wird nicht über Parteipolitik geredet!

Heute hat Bernard Ranaweera lange metallene Grabstöcke für die Feldarbeit im Gepäck – willkommene Geschenke, finanziert durch die Fairtrade-Prämie. Vor der Verteilung spricht er eindringlich mit den versammelten SOFA-Mitgliedern und ich blicke in aufmerksame Gesichter von Jung und Alt. Er ermuntert alle, die Berichte der SOFA-Generalversammlung zu lesen. Nicht er habe über die Geschenke entschieden, es sei ein demokratischer Prozess, an dem jede SOFA-Mitgliedsgruppe beteiligt ist.

Und wenn möglich und sinnvoll fördert SOFA auch Kleinbäuerinnen, die nicht Mitglieder sind. So hatte Delameda Gedera Karunawathi angefragt, ob SOFA nicht den Blumenbäuerinnen in ihrem Dorf Bewässerungsschläuche zur Verfügung stellen könnte – das würde ihnen die Arbeit erleichtern und helfen, ihre Einkommenssituation zu verbessern. D.G. Karunawathi selber hat die Wege auf ihrem Gehöft mit verschiedenen Blumen und Grünpflanzen gesäumt, die sie Blumenhändlern verkauft. Gleichzeitig dienen diese Hecken dem Erosionsschutz. Überhaupt bin ich fasziniert, wie rundherum jedes Fleckchen Erde bepflanzt und geschützt ist. Palmen, Obst- und Nelkenbäume, Pfeffer, Vanille, Ingwer, Kardamom, Ananas und überall Tee. Damit heftige Regenfälle die Erde nicht wegschwemmen, sind an den steilen Hängen immer wieder kleine Gräben gezogen, die man kaum sieht. Denn Mulchen steht auch auf der Tagesordnung. Und auf jedem Gehöft sehe ich kleine Lehmhütten, in denen aus Kräutern worm wash (wörtlich übersetzt: Wurmwäsche) hergestellt wird!

Nach den Herausforderungen für die Zukunft von SOFA gefragt, berichtet Bernard Ranaweera , dass durch die Erbteilung die Landflächen für die Bauern immer kleiner werden. Man habe um zusätzliches Land beim Landwirtschaftsministerium gebeten, aber keine Antwort erhalten. Er habe den Eindruck, dass ungenutztes Land nach Parteibuch vergeben und dann nicht bebaut werde. Und die Bitte um Förderung des Biolandbaus wurde vom Ministerium mit einem kopierten Heft über Kompostherstellung beantwortet. Als wenn Demeter-zertifizierte Betriebe nicht wüssten, wie Kompost gemacht wird! Ans Aufgeben oder Ruhestand denkt der 60-jährige noch lange nicht: „ Ich liebe den Austausch mit den Menschen um mich herum. Meine größte Freude in der Arbeit ist es, den Fortschritt und die Entwicklung zu sehen. Da geht mir das Herz auf.“  Und mir wurde ganz warm ums Herz an diesem für mich ganz besonderen Urlaubstag.

Fotos über diesen Tag finden Sie hier.